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Sentō & Onsen - Als Ausländer in Japans Badekultur überleben

Nutze die Power von 120 Vulkanen

Durch seine geografische Lage auf gleich vier verschiedenen tektonischen Platten besitzt Japan nicht nur über 10 Dutzend zum Teil noch aktive Vulkane und ein dementsprechend erhöhtes Erdbebenrisiko, sondern tendenziell vergleichbar mit der geologischen Beschaffenheit Islands auch eine Vielzahl natürlicher heißer Quellen.

Diese werden in der Landessprache „Onsen“ genannt und schon seit Jahrhunderten vielfältig für Badehäuser sowie für die Behandlung gewisser Beschwerden wie etwa Durchblutungsstörungen und Muskelverspannungen genutzt. Städte und Gemeinden mit vielen guten Onsen genießen meist den Status von Kurorten. So wie im deutschsprachigen Raum der Zusatz „Bad“ die bewährte und medizinisch erwiesene Heilkraft regionaler und lokaler Quellen anzeigt, steht in Japan der Begriff Onsen nach dem Ortsnamen für diesbezüglich überprüfte Qualität.

Berühmt ist etwa die Stadt Beppu auf der südlichen Insel Kyūshū mit über 3.700 Thermalquellen und 168 öffentlichen Bädern, dort sprudeln auch einige passender Weise „Hölle“ (Jigoku) benannte Quellen, deren Wasser viel zu heiß für den Badebetrieb ist.

Heiße Quellen werden sowohl zur Entspannung als auch kulinarisch genutzt

Ebenfalls einiges Renommee als Badetempel besitzen das Dōgo-Onsen in der Stadt Matsuyama auf der südlichen Insel Shikoku sowie das Tsuru-no-Yu-Onsen in Semboku und die Stadt Nagano auf der Insel Honshū.

Als Gebiet mit vielen Quellen ist auch die Izu-Halbinsel an der Südküste im Zentrum der Hauptinsel Honshū bekannt, dort werden die Thermalquellen von Atami, Itō und Mishima schon seit über 1000 Jahren von Gästen aus nah und fern aufgesucht.

Während die Izu-Halbinsel in Japan die Heimat des scharfen Wassermeerrettichs Wasabi ist, gelten die bereits genannten Städte Beppu und Nagano sowie Odawara und Hakone auf Honshū als die Orte, wo man die besten „Onsen-Tamago“ (Onsen-Eier) erhält. Bei dieser sehr aromatischen japanischen Spezialität handelt es sich um Hühnereier, die gut eine Stunde lang bei Temperaturen zwischen 60 und 70 °C in den heißen Quellen gegart werden, und somit eine wachsweiche Konsistenz sowie einen mehr oder weniger ausgeprägten salzig-schwefligen Geschmack erhalten.

Die Verschnaufpause von den sonst gängigen Verhaltensvorschriften

Gemäß ihrer uralten Tradition spielt das Bad in den Onsen in der japanischen Kultur eine hervorgehobene Rolle als sonst seltener Ort der klassen- und schichtübergreifenden gemeinsamen Entspannung. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde speziell im ländlichen Raum meist noch ohne Trennung der Geschlechter zusammen nackt gebadet, heute wird aber in der Mehrheit der moderneren Anlagen Wert auf Badebekleidung gelegt.

Nach wie vor ist das Onsen aber ein zumeist informeller Treffpunkt für Freunde, Familien und Pärchen nach der Arbeit. Firmengruppen wird man dort jedoch eher selten antreffen, der in Japan aber ansonsten fast immer allgegenwärtige strenge soziale und strikt hierarchisch geregelte Verhaltenskodex wird hier allerdings manchmal außer Kraft gesetzt, wenn etwa Fremde in der ruhigen Atmosphäre der Bäder miteinander ins Gespräch kommen.

Die von den Mitgliedern der japanischen Mafia „Yakuza“ oftmals zur Schau gestellten Ganzkörpertätowierungen sind in den meisten Onsen bis heute unerwünscht oder verboten, in größeren Städten wird diese Regelung jedoch inzwischen oftmals liberaler gehandhabt.

Ob modernes oder traditionelles Onsen: Sauberkeit steht immer an erster Stelle

Heutzutage steht den Japanern wie auch ihren ausländischen Besuchern eine große Auswahl unterschiedlicher Onsen-Bäder zur Verfügung.

Während moderne Anstalten häufig auch Saunen, Spa-Einrichtungen, künstliche Wasserfälle und Massageangebote parat halten, verzichten die klassischen Bäder ganz bewusst auf diese Verneigung vor dem Zeitgeist und konzentrieren sich auf die detailliert überlieferten Vorgaben und Vorschriften aus vergangenen Epochen.

Unabhängig von der genauen Ausstattung herrschen jedoch in allen Bädern penibel eingehaltene und auch überwachte hygienische Bestimmungen, so wäscht man sich etwa auf jeden Fall vor dem Eintauchen in die oftmals im Freien liegenden Onsen-Becken aus Rücksichtnahme auf die anderen Besucher sehr gründlich. Hierfür werden die in jedem Bad vorhandenen Waschplätze mit Kalt- und Warmwasser ausgiebig genutzt, manch ein Gast nutzt die günstige Gelegenheit gleich zur Ganzkörperpflege inklusive Rasur. Zur unverzichtbaren Ausrüstung gehört auch das speziell kleine Handtuch „Tenugui“, dieses dient vorrangig zum Abwischen von Schweiß sowie zur diskreten Bedeckung des Intimbereiches und/oder von Tätowierungen.

Vorsicht bei großen Tätowierungen und beim Gang auf die Toiletten

Trotz des heute oftmals lockeren Ambientes in vielen Onsen-Bädern gilt es doch besonders auch für Ausländer einige grundlegende Regeln und Verhaltensmaßnahmen zu beachten, um nicht unangenehm aufzufallen oder sogar des Bades verwiesen zu werden.

Persönliche Sauberkeit ist und bleibt das A und O in jedem Onsen, das Quellwasser im Becken soll so wenig wie nur irgend möglich verschmutzt werden. Deshalb sollte man etwa peinlich darauf achten, sich die Schuhe bei Betreten des Umkleidebereichs nicht zu spät auszuziehen, auch beim Duschen empfiehlt es sich auf jeden Fall, vom Bänkchen aufzustehen.

Seife und Shampoo müssen gründlich abgespült werden, bevor man das Becken betritt, ein benutztes Waschtuch sollte tunlichst nicht in Berührung mit dem Onsenwasser kommen.

Beim Herausgehen in den Umkleidebereich sollte man sich gewissenhaft abzutrocknen, besondere Aufmerksamkeit verlangt auch der Besuch des Toilettenbereiches, der unbedingt mit anderen Badeschlappen als der Badebereich betreten werden sollte.

Öffentliche Badehäuser seit jeher sorgsam gepflegte Stätten der Hygiene

Vergleichbar mit den Onsen-Bädern sind die „Sentō“ genannten japanischen Badehäuser, die zwar heute nicht mehr ganz so häufig sind, wie vor der mehrheitlichen Ausstattung der privaten Wohnhäuser mit eigenen Bädern, aber noch streckenweise noch immer wichtige soziale Funktionen als Treffpunkte in den jeweiligen Stadtvierteln erfüllen.

Anders als in den Onsen muss das Wasser im Sentō nicht zwangsläufig aus einer vulkanischen Quelle stammen. Die an den hohen Schornsteinen häufig schon von Weitem gut zu erkennenden und oft wie Tempel oder Shinto-Schreine gestalteten öffentlichen Badehäuser sind im Inneren jedoch meist ebenso verschwenderisch mit Holz verkleidet und bieten wie die Onsen oft große Panoramafenster mit Blick auf Naturlandschaften.

Auch die Erwartungshaltung bezüglich der persönlichen Sauberkeit der Gäste im Sentō ist genauso hoch, vor dem eigentlichen Bad im mindestens 40 Grad Celsius heißen Wasser steht immer die gründliche Reinigung des Körpers. Hierfür werden von jedem Gast Handtuch, Seife und Shampoo mitgebracht, welche aber auch am Empfang gekauft werden können. Gebadet wird im Sentō immer nackt, Badekleidung wie in manchem Onsen ist nicht gestattet.

Strenger wird auch auf das Zugangsverbot für großflächig Tätowierte geachtet, auf gar keinen Fall sollte man Seifenschaum in das Becken gelangen lassen, da dieses dann u.U. aufwendig gereinigt und neu befüllt werden muss.

 

Travel Guide Japan


Von Sensei , Vamadu Co-Founder


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